Istrien

Die Halbinsel Istrien, neben Dalmatien die bekannteste Urlaubsregion Kroatiens, liegt im äußersten Nordwesten des Landes. Ins italienische Triest ist es nur ein Katzensprung, und nach Klagenfurt nicht einmal halb so weit wie nach Dubrovnik. Geographisch wird Istrien als Halbinsel definiert, deren westliche Grenze zum Binnenland die Linie zwischen der Bucht von Muggia bei Triest und dem nördlichsten Punkt der nordwestlich von Rijeka liegenden Bucht Preluka bildet. Der südlichste Punkt, die Spitze der Halbinsel, ist das Kap Kamenjak südöstlich von Pula. Die istrische Halbinsel ist die größte und bedeutendste der adriatischen Küste. Die Einzugsgebiete verschiedener Zentren westlich und östlich der Halbinsel haben im Laufe der Jahrhunderte auf istrischem Boden unterschiedliche politische, wirtschaftliche und kulturelle Entwikklungstrends geschaffen. Deswegen ist auch die Deutung des historischen Verlaufs und der kulturellen Entwicklung erheblich komplexer als die geographische Bestimmung. Auch die morphologische Struktur der einzelnen Teile Istriens trägt zu dieser Komplexheit bei.

Im geographischen Sinn wird Istrien als Insel definiert, deren Nordgrenze zum Festland zwischen der Bucht von Muggia bei Triest und dem nördlichsten Punkt der nordwestlich von Rijeka liegenden Bucht von Preluka verläuft. Den südlichsten Punkt, die Spitze der Halbinsel, bildet das Kap Kamenjak südöstlich von Pula. Die Straßenschilder sind hier zweisprachig statt nach Rovinj, Pula oder Porec kann man auch nach Rovigno, Pola oder Parenzo fahren. Ebenfalls talienisch muten die Speisekarten der Restaurants an, ganz zu schweigen von dem Flair so mancher bezaubernden Hafenstadt, die ganz selbstverständlich von einem Glockenturm (Campanile) überragt wird.

Istrien
Istrien
Istrien ist die nördlichste Region Kroatiens. Es wird von einer hohen Klippe Rand der Klippe aus. Die größte Stadt und der Stadt Porec, Rovinji, Pula.

Angesichts der Tatsache, dass Istrien quasi vor der Haustür Italiens liegt, verwundert dies kaum: Nach den Römern hatten die Venezianer über Jahrhunderte hinweg Ansprüche auf die istrische Halbinsel geltend gemacht. Und als die Donaumonarchie, die nach dem Untergang Venedigs Ende des 18. Jh. über ganz Istrien herrschte, nach dem Ersten Weltkrieg endgültig zusammenbrach, wurde Istrien nicht Teil des Königreichs der Serben, Kroaten und Slowenen (SHS), sondern von Italien annektiert, was ohne Zweifel Spuren im Lebensstil und Lebensgefühl hinterlassen hat.

Sommer aus Istrien
Die Halbinsel Istrien, neben Dalmatien die bekannteste Urlaubsregion Kroatiens, liegt im äußersten Nordwesten des Landes Sommerurlaub in Kroatien.

Die südliche und westliche Küste Istriens prägt eine breite allmählich zum Meer abfallende Hochebene. Die Küste ist stark gegliedert und weist zahlreiche kleinere und größere Buchten sowie Flussmündungen auf. Neben einer Reihe kleiner Inseln vor der Küste von Rovinj bis Porec hebt sich im Süden der Brijuni-Archipel hervor. Das ganze Gebiet ist mit einer Schicht ausgesprochen roter Erde bedeckt und wird deshalb Rotes Istrien genannt. Die Region ist relativ dicht besiedelt, und an der westistrischen Küste sind auch größere Urbane Zentren wie Porec, Rovinj und vor allem Pula sowie kleinere Städte wie Umag, Novigrad und Vrsar entstanden. Im Roten Istrien ist die landwirtschaftliche Produktion sehr gut entwickelt, und in Pula entsteht auch eine bedeutende Industrie. Die ganze rotistrische Küste ist heute ein beliebtes Fremdenverkehrsgebiet, eine der wichtigsten und bestentwickelten touristischen Zonen Kroatiens.


Istrien ist durch Kalkberge und die gebirgigen Hochebenen des Triester Karsts und des Cicarija-Gebirges vom Festland getrennt. Die Halbinsel selbst lässt sich in drei geomorphologisch völlig unterschiedliche Gebiete einteilen. Ihr gebirgiger nördlicher und nordöstlicher Rand wird wegen seiner kargen Vegetation und der kahlen und hellen Karstflächen als Weißistrien bezeichnet. Weißistrien hat zwar die meisten Niederschläge, die Gewässer versickern aber im Karstboden, so dass die Bodenflächen, die sich zum Anbau von Nutzpflanzen eignen auf die Karstdolinen reduziert sind. Die traditionelle Beschäftigung der Menschen auf diesem kargen und dünn besiedelten Gebiet war Kleinviehzucht. Da ein Teil Weißistriens mit dem Ucka-Gebirge steil zum Meer abfällt, waren die Bewohner der istrischen Ostküste seit jeher dem Meer und dem Fischfang zugewandt. In neuerer Zeit ist als Erwerbsquelle der Fremdenverkehr hinzugekommen.

Wer die quirlige Küstenregion mit ihren geschicht strächtigen Städten verlässt und ins Landesinnere vordringt, könnte sich auch in der Toskana wähnen - Olivenhaine, Weinberge und trutzige Dörfer prägen das Landschaftsbild und laden zu Entdeckungsreisen fernab bekannter Pfade ein. Nicht umsonst ist der Agrotourismus gerade in Istrien in den letzten Jahren zu einer festen Größe geworden. Wer das Besondere liebt, verbringt seinen Urlaub in einem liebevoll restaurierten Bauernhaus im Landesinneren, erkundet am Vormittag per Fahrrad die Schönheit der nähreren Umgebung und erholt sich am Nachmittag am Strand, der nie weiter als 30 km entfernt ist.

Seinen Namen verdankt Istrien übrigens den Histrern, die vor rund 2500 Jahren an den Küsten und im Landesinneren der Halbinsel lebten und Hunderte kreisförmiger Oppida gründeten, in deren Mitte meist ein Hügel aufragte. Später wurden auf diesen Hügeln befestigte Dörfer angelegt, die noch heute zu bewundern sind - etwa Labin oder Motovun.

Mit ihrer Fläche von etwa 3.100 km2 ist die dreieckige Istrische Halbinsel zwar die größte und bedeutendste Form der adriatischen Küstengliederung, aufgrund ihrer geographischen Struktur und historischen Raumdefiniertheit könnte sie jedoch auch als Festland zwischen zwei tiefen und wichtigen Golfs gelten - dem Triester im Nordwesten und dem Kvarner-Golf im Osten. Politische Einflüsse sowie die politische, wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung Istriens waren jahrhundertelang mit den erwähnten Gebieten verbunden, was die Deutung der geschichtlichen Abläufe und kulturellen Strömungen aüßerst komplex werden lässt. Aber auch die Struktur der morphologisch unterschiedlichen geographischen Ganzheiten auf istrischem Boden trägt zur Komplexheit der Interpretation Istriens als eines einheitlichen geographischen Begriffs bei.

Kroatien Birgit Gläser

Istrien Diskussionsforum

  • Thomas
    Thomas

    Pican Auf einem die umliegende Landschaft prägenden felsigen Hügel liegt das uralte Städtchen Pican. Der Ort war zweifelos in urgeschichtlicher Zeit bewohnt, und in römischer Zeit war er Militärstützpunkt unter dem Namen Petina. Für die Bedeutung dieses Städtchens in der Vergangenheit spricht auch die Tatsache, dass es vom 5. bis zum 8. Jahrhundert Bischofsitz war. Im Mitelalter war es eine kroatische Stadtgemeinde, der ein Gespan vorstand. Die Stadt war von festen Mauern umschlosen, die im Laufe des Mitelalters mehrfach erneuert wurden, mit der Zeit aber wegen des Einwachsens neuer Wohnhäuser auseinanderfielen. Erhalten ist nur das Stadtor von der Wende des 14. zum 15. Jahrhundert. Die einstige mitelalterliche Kathedrale von Pican wurde zur Zeit des Barock grundlegend rekonstruiert. 1613 wurde das Hauptschif verlängert, eine gründliche Barockisierung erlebte die Kirche erst zwischen 1720 und 1753. Es ist eine dreischifige Kirche ohne größeren Barockprunk, was deutlich von den schweren Zeiten und den bescheidenen Miteln der Bischöfe von Pican spricht. Den einzigen Barockschmuck stelen die Altäre dar, vor allem der Hauptaltar, auf dem sich die Altarpala des Valentin Metzinger von 1738 mit der Verkündigungszene befindet. Die einstige Kathedrale von Pican ist heute die Pfarkirche des Hl.Nikephoros. Unweit des Städtchens befindet sich die einschifige romanische Michaelskirche mit halbkreisförmiger Apsis. Im Ineren, besonders an der Nordwand, sind gotische Fresken aus der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts zu sehen. Von den erhaltenen Szenen heben sich besonders die Huldigungszenen, Szenen der Leiden Christi und die Darstelung des Jüngsten Gerichts hervor.

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