Kroatiens führt nach Europa

Viele Deutsche scheuen sich immer noch vor einem Urlaub in Kroatien, weil sie das Land mit Krieg assoziieren. Teilen Sie die Bedenken?

Ich bin immer wieder in Kroatien zu Besuch gewesen und möchte das auch in Zukunft sein. Ich hoffe, dass sich viele anschließen. Das schöne und gastfreundliche Land bietet seinen Besuchern sehr viel. Und Tourismus ist nicht nur ein ökonomischer Faktor - Reisen bieten auch die Chance, mehr von Land und Leuten kennen zu lernen, mehr zu wissen und sich deshalb auch besser zu verstehen. Ich wünsche dem kroatischen Volk alle Kraft und viel Glück bei der Überwindung der Folgen des Krieges.

Kroatiens führt nach Europa
Kroatiens führt nach Europa
Diese 10tägige Bus Rundreise durch Kroatien führt Sie zu der schönen Küste von Dalmatien. Wandern Sie durch die Wasserfall und Seenlandschaft der Plitvicer Seen und

Die EU wollte vor dem Ausbruch des Krieges 1991 den Status quo in Jugoslawien bewahren. Waren Sie von Anfang an sicher, dass die Anerkennung Kroatiens der richtige Weg sei?

Milosevic hat vier Kriege vom Zaun gebrochen: den ersten gegen Slowenien, den zweiten gegen Kroatien, den dritten gegen Bosnien-Herzegowina und den vierten gegen den Kosovo. 1991 ging es darum, die ersten zwei Kriege zu beenden. Der Wille von Slowenen und Kroaten zur Selbstbestimmung und Unabhängigkeit durfte durch die Staatengemeinschaft genauso wenig ignoriert werden wie das in der jugoslawischen Verfassung verankerte Recht, den Bundesstaat zu verlassen. Und wie hätte ich gegen das Selbstbestimmungsrecht von Slowenen und Kroaten sein können, wenn ich das der Deutschen immer wieder eingefordert hatte.

Warum haben Sie einen deutschen Alleingang gewagt, nachdem die anderen Außenminister auf diesem Weg offensichtlich nicht folgen wollten?

Der Entschluss zur Anerkennung Kroatiens und Sloweniens vom 16. Dezember 1991 war eine gemeinsame, einstimmige Entscheidung der Europäischen Gemeinschaft, der alle anderen Staaten folgten. Wir haben nie einen Zweifel daran gelassen, dass es einen deutschen Sonderweg in der Jugoslawien-Politik nicht geben werde. Für diese klare europäische Haltung habe ich in Deutschland auch von einigen Heißspornen Kritik erfahren, die einen Alleingang wollten.

Glauben Sie, dass die deutsche Anerkennung geholfen hat, den Krieg in Kroatien zu beenden?

Die Anerkennung war eine Frieden schaffende Initiative. Sie stoppte mit politischen Mitteln das Blutvergießen der ersten von Milosevic vom Zaun gebrochenen jugoslawischen Kriege. Hätte man weiterhin tatenlos zusehen sollen?

Würden Sie aus heutiger Sicht eventuell anders vorgehen?

Ich würde natürlich genauso handeln. Heute wie damals bin ich der Meinung, dass es besser gewesen wäre, man hätte schon früher eine Verständigung über die Anerkennung Kroatiens und Sloweniens erzielen können.

Unter welchen Bedingungen werden die Völker auf dem Balkan eine gemeinsame friedliche Zukunft haben? Oder bleibt der Balkan das ewige Pulverfass?

Die europäische Perspektive ist für Jugoslawiens Nachfolgestaaten die einzige Möglichkeit, wieder friedlich und vertrauensvoll zusammenzulegen - nicht durch eine Zwangszusammenführung, sondern indem sie die Grundsätze der Demokratie akzeptieren, Minderheitenrechte und das Selbstbestimmungsrecht der Völker. So schaffen sie - Serbien eingeschlossen - die Voraussetzungen für ihre Mitgliedschaft in der EU, wie es heute schon für Slowenien und Kroatien der Fall ist.

Wie realistisch ist die EU-Mitgliedschaft Kroatiens?

Kroatien bemüht sich mit guten Gründen und zu Recht um eine Annäherung an die westliche Gemeinschaft. Bei der Aufnahme Kroatiens in den Europarat hat Deutschland eine entscheidende Rolle gespielt. Die Assoziierungsverträge der EU haben die Perspektive der Mitgliedschaft als festen Bestandteil. Darauf besteht ein Anspruch. Ich werde mich auch in Zukunft dafür einsetzen, dass der Wille Kroatiens zur West-Integration mit der Aufnahme in die EU honoriert wird. Kroatien ist ein Garant für Stabilität im südöstlichen Europa.

Kroatien ist zunächst nicht in das NATO Programm Partnerschaft für den Frieden aufgenommen worden. Ist das einstige Hätschelkind zum politischen Sorgenkind geworden?

Die deutsche Außenpolitik betrachtet sich auch in Zukunft als Anwalt der Staaten Mittel- und Südosteuropas bei ihrer Annäherung an EU und NATO. Es kann kein Zweifel daran bestehen, dass wir Deutschen unserer europäischen Verantwortung nur gerecht werden, wenn wir einen neuen Graben durch Europa, diesmal an unserer Ostgrenze, verhindern. Eine Politik der Ausweitung der EU nach Osten und Südosten liegt auch im deutschen Interesse. Wir sind historisch das Volk in der Mitte des Kontinents. Dem würde eine Randlage innerhalb der EU nicht entsprechen.

MERIAN Kroatien
  • Kommentare und feedback
  • fejm
    fejm

    Ich verbringe den Urlaub dort jedes Jahr. Einmal, als ich klein war, ging ich nach Kroatien mit seinen Eltern - nun ist er woże ihre Kinder dort. Es ist das schönste Land in Europa, und der beste Ort, um Ihren Urlaub zu verbringen, aber leider jedes Jahr immer weniger zur Verfügung, weil alles immer teurer suie. Ich befürchte, dass nach dem Beitrit Kroatiens in die Europäische Union wird noch teurer werden;-(

    7 Dezember 2011
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